Um den zunehmenden rechten Bestrebungen sowie den immer bedenklicheren sozialen und ökologischen Folgen der kapitalistischen Globalisierung etwas entgegenzusetzen, braucht es Mut und Engagement sowie Ideen und fundierte Analysen. Worin liegen Ursachen der gegenwärtigen sozialen Spaltung, des politischen Unmuts und der Krisen? Wo finden sich Hebelpunkte, um den Weg einer sozial-ökologischen Transformation zu ebnen?

Diesen Fragen soll sich die Werkstatt anhand des von Ulrich Brand und Markus Wissen eingeführten Begriffs der imperialen Lebensweise widmen.

Die Imperiale Lebensweise umschreibt jene Produktions- und Konsummuster, die tief in unserem Alltag und Denken verankert sind, und auf der grenzenlosen Aneignung von Natur und Arbeitskraft beruhen.

Diese Lebensweise ist höchst exklusiv: Sie kann nur existieren, indem andere weniger verdienen und ausgebeutet werden, und indem die negativen Folgen zeitlich und räumlich ausgelagert werden – auf kommende Generationen, auf Gesellschaften im Globalen Süden und auf Benachteiligte in den eigenen Gesellschaften. Gleichzeitig beobachten wir eine Verbreitung und Intensivierung der imperialen Lebensweise, was zu zunehmenden Konflikten führt. Es wird deutlich, dass diese Lebensweise nicht verallgemeinerbar ist und nun um den Zugang zu Ressourcen, zu billiger Arbeitskraft, zu billigen Senken (Orten, wo CO2 gespeichert wird) gerungen wird.

Der Aufstieg rechtspopulistischer und autoritärer Parteien und Bewegungen, der in Österreich und anderswo derzeit zu beobachten ist, ist als Versuch zu werten, durch Protektionismus, nationalistische Abschottung und menschenverachtende Grenz- und Asylpolitik die Exklusivität dieser imperialen Lebensweise aufrechtzuerhalten. Anstatt sichtbar zu machen, dass der in Österreich existierende Reichtum auf Kosten anderer erworben wurde, und die Ungleichverteilung des Reichtums innerhalb Österreichs sowie auf globaler Ebene zu thematisieren, wird die Schuld bei Geflüchteten und Muslim*innen gesucht.

Selbst wer an der imperialen Lebensweise teilhat, profitiert nicht unbeschwert von ihr. So gestaltet sie sich gleichzeitig als Zwang. Stress, Depressionen, Burnout, Informationsüberflutung und Druck durch zunehmende Selbstoptimierung häufen sich. Selbst wenn sich Individuen der imperialen Lebensweise entziehen wollen, ist dies aufgrund von gefestigten Infrastrukturen, Institutionen und Denkmustern häufig nicht möglich. Erfordert ein Job zunehmende Mobilitätsbereitschaft, so muss das Fernpendeln und Unvereinbarkeit mit Familie und Freundschaften in Kauf genommen werden. Wenn es kein „Handy ohne Ausbeutung“ gibt, erfordert die heutige Kommunikation den Kauf eines „Handys mit Ausbeutung“. Insofern stoßen individuelle, auf fairen ökologischen Konsum basierte Versuche, sich der imperialen Lebensweise zu entziehen, häufig an ihre Grenzen. Die soziale Position eines Menschen ist dabei nicht unerheblich, so sind Fleischkonsum, die Häufigkeit von Flugreisen oder der Energiebedarf eng mit dem Einkommen verbunden. Selbst bei ökologisch bewussten Menschen.

Mehrwert des Konzepts der imperialen Lebensweise ist somit unter anderem, dass einfache Antworten auf das Problem hinterfragt werden („Es fehlt nur das Wissen“, „Wir müssen nur besser einkaufen“, “Schuld sind die Migrant*innen”, “Schuld sind die Konzerne”). Stattdessen zeigt es auf, weshalb die imperiale Lebensweise trotz des Wissens um die Probleme weiterhin so stabil ist. Die Schreibwerkstatt soll anhand partizipativ gewählter Themenschwerpunkte analysieren, wo in Österreich stabilisierende Faktoren der imperialen Lebensweise liegen, und sich fragen, wo wir ansetzen müssen, um Brüche zu vergrößern, politisch gute Vorschläge zu entwickeln und Pfade hin zu einer sozial-ökologischen Transformation zu gestalten.

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